
Bellen, Pöbeln, ständige Unruhe oder schlechte Ansprechbarkeit können mit einem hohen Stress- und Erregungsniveau zusammenhängen. Das muss aber nicht die einzige Ursache sein.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf den gesamten Alltag: Bekommt Ihr Hund ausreichend Schlaf und ungestörte Ruhe? Wie viel erlebt er täglich? Und hat er zwischen aufregenden Situationen überhaupt Gelegenheit, wieder herunterzufahren? Eingefügter Text
„Mein Hund ist gestresst“ sagt fast niemand
Wenn Kunden zu mir ins Hundetraining kommen, höre ich selten den Satz: „Mein Hund ist gestresst.“
Stattdessen höre ich:
Die meisten Hundehalter suchen Hilfe wegen eines konkreten Problems. Viele erzählen mir, wie viel sie bereits mit ihrem Hund machen. Sie gehen lange spazieren, trainieren regelmäßig, machen Suchspiele oder treffen andere Hunde. Oft wurde auch schon ganz konkret am sichtbaren Problem gearbeitet: an der Leinenführigkeit, am Rückruf, an Hundebegegnungen oder daran, dass der Hund weniger bellt.
Und trotzdem bleibt manchmal das Gefühl: „Eigentlich üben wir schon so viel. Warum wird es nicht wirklich besser?“
Genau deshalb sind viele überrascht, wenn wir im Training plötzlich über Schlaf, Ruhe und Erholung sprechen. Denn Bellen, Pöbeln, ständige Aufregung oder „Ohren auf Durchzug“ können Anzeichen dafür sein, dass ein Hund mit den Anforderungen seines Alltags gerade nicht gut zurechtkommt oder zwischen aufregenden Situationen nicht ausreichend zur Ruhe findet.
Das bedeutet nicht, dass Stress automatisch die Ursache für jedes problematische Verhalten ist. Aber er kann ein Teil des Gesamtbildes sein.
Stress ist zunächst einmal nichts grundsätzlich Schlechtes. Der Körper reagiert damit auf Anforderungen und Veränderungen. Kurzfristige Stressreaktionen helfen einem Organismus, sich an eine Situation anzupassen und entsprechend zu reagieren.
Problematischer kann es werden, wenn Belastungen sehr intensiv sind, häufig auftreten oder über längere Zeit anhalten und ausreichende Erholungsphasen fehlen.
Wie ein Hund auf eine Situation reagiert, ist dabei individuell. Was für den einen Hund kaum der Rede wert ist, kann für einen anderen eine erhebliche Herausforderung darstellen. Deshalb lässt sich Stress auch nicht an einem einzelnen Verhalten sicher erkennen. Entscheidend ist immer das Gesamtbild.
Viele Hunde zeigen bei Stress nicht weniger Verhalten, sondern mehr. Sie bellen mehr, reagieren schneller, wirken ständig „auf Empfang“, kommen schwer zur Ruhe und laufen ihren Menschen hinterher. Sie scheinen immer bereit für die nächste Aktivität.
Deshalb entsteht oft der Eindruck: „Mein Hund braucht noch mehr Beschäftigung.“
Dabei erlebe ich in meiner Arbeit als Hundetrainerin häufig: Manchmal fehlt nicht zusätzliche Beschäftigung, sondern ausreichend Erholung zwischen den Aktivitäten.
Wenn ein Hund ohnehin Schwierigkeiten hat herunterzufahren, kann ein noch vollerer Tagesplan genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich erreicht werden soll.
Stress zeigt sich nicht bei jedem Hund gleich. Mögliche Anzeichen können sein:
Keine dieser Verhaltensweisen beweist für sich allein, dass ein Hund gestresst ist. Ein Hund kann beispielsweise bellen, weil er unsicher ist, weil er ein bestimmtes Verhalten gelernt hat, weil er frustriert ist oder weil er auf etwas in seiner Umwelt reagiert. Auch Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme können Verhalten verändern.
Deshalb sind andere Fragen oft aussagekräftiger als die reine Suche nach einzelnen „Stresssymptomen“: In welchen Situationen tritt das Verhalten auf? Wie häufig zeigt es sich? Was ist vorher passiert? Und wie gut findet der Hund anschließend wieder zur Ruhe?
Verändert sich das Verhalten eines Hundes plötzlich oder deutlich, sollten mögliche gesundheitliche Ursachen immer mitgedacht und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden.
Schlaf ist weit mehr als eine bloße Pause. Eine 2017 veröffentlichte Studie von Anna Kis und Kollegen untersuchte bei Haushunden mit nicht-invasiven EEG-Aufzeichnungen den Zusammenhang zwischen Schlaf und Lernen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Schlaf auch bei Hunden mit Lern- und Gedächtnisprozessen zusammenhängt.
Hunde verbringen einen erheblichen Teil des Tages mit Schlafen und Ruhen. Wie viel ein einzelner Hund benötigt, hängt unter anderem von Alter, Gesundheit, Aktivität und individuellen Faktoren ab. Deshalb halte ich wenig davon, jedem Hund eine starre Zahl an Schlafstunden vorzugeben.
Viel wichtiger finde ich die Frage: Bekommt dieser Hund ausreichend Gelegenheit, wirklich ungestört zu schlafen und zu ruhen?
Dabei geht es nicht ausschließlich um den Tiefschlaf. Auch entspanntes Dösen oder ruhiges Herumliegen, ohne dass ständig etwas vom Hund erwartet wird, gehört zu den Ruhephasen im Tagesverlauf.
„Aber mein Hund liegt doch den ganzen Tag herum.“
Diesen Satz höre ich häufig. Tatsächlich verbringen viele Hunde viele Stunden auf ihrem Platz. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie diese Zeit komplett ungestört verbringen.
Ein typisches Szenario: Der Hund liegt auf seinem Platz. Jemand streichelt ihn im Vorbeigehen kurz. Das Kind spricht ihn an. Ein Familienmitglied läuft an ihm vorbei. Es klingelt an der Tür. Der Hund wird erneut angesprochen.
Für uns sind das Kleinigkeiten. Für einen Hund, der auf solche Dinge ohnehin sehr aufmerksam reagiert, können es viele kleine Unterbrechungen sein.
Deshalb schaue ich bei Hunden, die schlecht abschalten können, nicht nur darauf, wie lange sie liegen, sondern auch darauf, wie diese Ruhe aussieht.
Beobachten Sie Ihren Hund einmal in seinem Alltag. Kann er liegen bleiben, wenn Sie aufstehen und durch den Raum gehen? Muss er kontrollieren, was Sie machen? Reagiert er auf jedes Geräusch im Hausflur? Läuft er Ihnen bei jedem Raumwechsel hinterher? Oder kann er tatsächlich liegen bleiben und weiterschlafen?
Ein Hund muss natürlich nicht völlig regungslos schlafen, während um ihn herum das Leben stattfindet. Und ein kurzes Aufschauen bedeutet nicht automatisch Stress.
Interessant wird das Muster: Findet der Hund über längere Zeit kaum tiefer zur Ruhe, reagiert ständig auf seine Umgebung und ist bei jeder kleinen Veränderung sofort wieder „da“, lohnt es sich, seine Erholungsmöglichkeiten genauer anzuschauen.
Wenn ich meine Kunden im Training frage, wie viel Aufmerksamkeit ihr Hund am Tag bekommt, lachen die allermeisten und sagen stolz:
„Oh, ganz viel! Ich streichle ihn oft, gucke ihn an und spreche mit ihm.“
Genau hier lohnt sich ein genauerer Blick.
Machen Sie für ein paar Tage einmal folgendes Experiment: Legen Sie sich einen Zettel und einen Stift bereit. Schreiben Sie links die Wochentage auf und machen Sie auf der rechten Seite jedes Mal einen Strich, wenn Sie Ihren Hund ansehen, ansprechen oder anfassen.
Am Ende der Testtage zählen Sie die Striche zusammen. Sie werden möglicherweise überrascht sein, wie lang diese Liste wird.
Schauen Sie sich die Striche anschließend noch einmal genauer an: Welche Kontakte gingen von Ihrem Hund aus? Welche von Ihnen? Und gab es Momente, in denen Ihr Hund eigentlich gerade ruhte und trotzdem angesprochen oder angefasst wurde?
Es geht dabei nicht darum, Ihrem Hund künftig möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Nähe, Ansprache und gemeinsamer Kontakt gehören selbstverständlich zum Zusammenleben. Die Strichliste soll lediglich sichtbar machen, wie häufig im Laufe eines ganz normalen Tages kleine Interaktionen stattfinden und ob einige davon möglicherweise genau in die Ruhephasen Ihres Hundes fallen.
Versetzen Sie sich einmal in die Lage Ihres Hundes:
Er liegt eigentlich ganz entspannt herum und döst. Und ständig passiert etwas um ihn herum.
Das ist in etwa so, als würden Sie nachts im Bett liegen, tief schlafen, und alle 20 Minuten kommt jemand in Ihr Schlafzimmer, streichelt Ihnen über den Kopf und flüstert:
„Ah, hallo, du süße Maus!“
Oder jemand stellt sich einfach nur stumm an Ihr Bett und starrt Sie an, sodass Sie es im Halbschlaf spüren.
Sie würden spätestens nach der zweiten Nacht dünnhäutig, gereizt und völlig übermüdet aufwachen.
Natürlich ist dieser Vergleich bewusst überspitzt. Aber genau deshalb macht er etwas sichtbar, das im Alltag leicht untergeht: Gut gemeinte Aufmerksamkeit ist nicht in jedem Moment das, was ein Hund gerade braucht.
Wahre Fürsorge bedeutet manchmal auch: Den Hund einfach in Ruhe schlafen lassen.
Viele Hundehalter denken bei Stress sofort an Gewitter, Feuerwerk oder den Tierarzt. Doch auch die Summe vieler alltäglicher Reize kann eine Rolle spielen.
Ein Beispiel:
Keine dieser Situationen muss für sich genommen problematisch sein. Entscheidend ist, wie der einzelne Hund damit umgeht und was zwischen diesen Situationen passiert. Hat er zwischendurch Gelegenheit zu schlafen und herunterzufahren? Oder folgt ein Programmpunkt auf den nächsten?
Alter und Entwicklungsstand, Veranlagung, Persönlichkeit, Lerngeschichte, gesundheitliche Faktoren und aktuelle Lebensumstände können beeinflussen, wie ein Hund mit solchen Anforderungen umgeht.
Viele Hundehalter reagieren auf die Unruhe ihres Hundes mit noch mehr Aktivität: mehr Spaziergänge, mehr Training, mehr Spiele, mehr Hundekontakte. Bei einem Hund, der ohnehin nur schwer abschaltet, kann zusätzliche Aktivierung jedoch dazu führen, dass noch weniger Zeit für Erholung bleibt.
Das heißt nicht, dass ein Hund möglichst nichts mehr machen soll. Er soll selbstverständlich etwas erleben, lernen, spielen und Kontakt zu seiner Umwelt haben. Es geht nicht um „Beschäftigung oder Ruhe“, sondern darum, was dieser Hund in seinem Alltag braucht.
Sie müssen dafür nicht Ihren gesamten Alltag von heute auf morgen umstellen. Suchen Sie sich zunächst ein oder zwei Punkte aus, die sich für Sie und Ihren Hund realistisch umsetzen lassen.
Beobachten Sie anschließend kleine Veränderungen: Schläft Ihr Hund tiefer? Bleibt er häufiger liegen, wenn Sie sich bewegen? Reagiert er weniger auf jedes Geräusch? Fällt ihm das Abschalten nach einem Spaziergang leichter? Ist er draußen in manchen Situationen wieder besser ansprechbar?
Solche Beobachtungen helfen dabei einzuschätzen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.
Richten Sie den Hauptschlafplatz Ihres Hundes möglichst so ein, dass er dort tatsächlich zur Ruhe kommen kann.
Ein Platz mitten im Flur, direkt neben der Küchentür oder an einem anderen stark frequentierten Ort ist für einen Hund, der ohnehin auf jede Bewegung reagiert, möglicherweise ungünstig.
Dieser Platz sollte von allen Familienmitgliedern respektiert werden. Wenn der Hund dort schläft oder ruht, wird er nicht angesprochen oder gestreichelt.
Ein Spaziergang muss nicht automatisch mit zusätzlichem Programm gefüllt werden.
Lassen Sie Ihren Hund ruhig einmal ausgiebig schnüffeln, die Umwelt in seinem eigenen Tempo erkunden und „Zeitung lesen“. Sie müssen dabei weder besonders weit kommen noch Ihren Hund permanent beschäftigen.
Gerade bei Hunden, die ohnehin schnell hochfahren, kann es sinnvoll sein, nicht aus jedem Spaziergang gleichzeitig eine Trainingseinheit, ein Sozialevent und ein Beschäftigungsprogramm zu machen.
Bei Spielzeug bin ich grundsätzlich entspannt. Wenn ein Hund kein Ressourcenthema hat und seine Spielsachen zuhause herumliegen, spricht aus meiner Sicht wenig dagegen.
Beim klassischen Ballwerfen sehe ich das deutlich kritischer.
Das schnelle Hinterherhetzen greift einen Teil der Jagdsequenz auf und kann manche Hunde innerhalb kürzester Zeit stark hochfahren. Wird der Ball immer wieder geworfen, kann sich eine hohe Erwartung aufbauen: Der Hund wartet bereits auf den nächsten Wurf, bevor überhaupt wieder Ruhe eingekehrt ist.
Bei manchen Hunden entwickelt sich daraus eine regelrechte Fixierung. Der Ball verschwindet zwar irgendwann in der Tasche, der Hund ist gedanklich aber längst beim nächsten Wurf. Er beobachtet jede Handbewegung, wartet auf das nächste Signal und schafft es kaum noch, wirklich abzuschalten.
In solchen Fällen rate ich tatsächlich dazu, das Ballspielen zunächst vollständig einzustellen. Ich hatte bereits Hunde im Training, bei denen wir regelrecht einen „Entzugsplan“ aufstellen mussten, weil die Erwartung rund um den Ball den gesamten Spaziergang bestimmte.
Das ist meine Bezeichnung aus der Trainingspraxis und keine medizinische Aussage über eine Abhängigkeit.
Das bedeutet nicht, dass ich Ballspielen grundsätzlich für jeden Hund verbiete. Wenn ein Hund gelegentlich einem Ball hinterherläuft, anschließend problemlos wieder abschalten kann und das Spiel nicht zum Mittelpunkt des Spaziergangs wird, bewerte ich das anders.
Auch körperlich sollte intensives Ballwerfen zum jeweiligen Hund passen. Beim Hetzen, abrupten Abbremsen, Springen und schnellen Richtungswechseln wirken erhebliche Kräfte auf den Bewegungsapparat. Bei gesundheitlichen Einschränkungen sollte deshalb gegebenenfalls tierärztlich oder physiotherapeutisch geklärt werden, welche Form der Bewegung geeignet ist.
Ihr Hund muss nicht jeden Artgenossen begrüßen.
Viele Hunde können lernen, andere Hunde wahrzunehmen und anschließend weiterzugehen, anstatt aus jeder Begegnung automatisch einen Kontakt entstehen zu lassen. Gerade wenn Hundebegegnungen für einen Hund ohnehin aufregend sind, muss deshalb nicht noch jeder Spaziergang möglichst viele Sozialkontakte enthalten.
Nicht jeder Tag muss ein Abenteuer sein. Planen Sie ruhig Tage ein, an denen kein besonderes Programm stattfindet. Normale Spaziergänge sind selbstverständlich weiterhin wichtig. Verzichten Sie an solchen Tagen jedoch beispielsweise auf zusätzliche Ausflüge, Hundetreffen oder intensive Trainingseinheiten, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Hund von einem ruhigeren Tag profitieren könnte.
Gerade nach besonders aufregenden Tagen kann ein weniger voller Alltag mehr Gelegenheit zur Erholung bieten.
Stress ist nicht nur am Verhalten zu erkennen. Auch im Körper laufen verschiedene Prozesse ab. Für den Alltag müssen Hundehalter nicht jedes beteiligte Hormon kennen. Einige Begriffe begegnen einem beim Thema Stress jedoch immer wieder.
Adrenalin und Noradrenalin sind an der schnellen Stressreaktion des Körpers beteiligt und tragen dazu bei, den Organismus innerhalb kurzer Zeit auf erhöhte Anforderungen vorzubereiten.
Cortisol spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Stressreaktion. Seine Ausschüttung und Wirkung sind jedoch komplex. Deshalb halte ich wenig von vereinfachten Erklärungen nach dem Motto: „Dieses Verhalten zeigt der Hund, weil sein Cortisol zu hoch ist.“ Ein einzelner Cortisolwert bildet weder das gesamte Stressgeschehen eines Hundes ab noch lässt sich daraus ohne Weiteres ein bestimmtes Verhalten erklären.
Nach besonders aufregenden oder belastenden Tagen beobachten viele Hundehalter, dass ihr Hund am Folgetag schneller reagiert oder weniger belastbar wirkt. Ich nenne dieses beobachtbare Phänomen im Training manchmal scherzhaft einen „Cortisol-Kater“. Damit beschreibe ich keine medizinische oder hormonelle Diagnose. Der Begriff ist lediglich ein Bild dafür, dass Erholung nicht zwangsläufig in dem Moment abgeschlossen ist, in dem eine aufregende Situation endet.
Dopamin spielt unter anderem bei Motivation, Belohnung und Erwartung eine Rolle. Gerade bei stark erwartungsbesetzten Aktivitäten kann bereits die Ankündigung oder Erwartung eines Ereignisses Verhalten beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich beispielsweise eine Ballfixierung allein durch Dopamin erklären lässt.
Ein hohes Erregungs- oder Stressniveau kann es einem Hund erschweren, sich zu konzentrieren, Reize zu verarbeiten und im Training ansprechbar zu bleiben.
Deshalb lohnt es sich bei manchen Verhaltensproblemen, neben dem eigentlichen Training zusätzlich zu fragen: Unter welchen Bedingungen soll dieser Hund eigentlich lernen? Wenn der Alltag sehr voll ist, der Hund kaum ungestörte Ruhe bekommt oder bereits mit einem hohen Erregungsniveau in eine Trainingssituation startet, kann es sinnvoll sein, auch dort anzusetzen.
Nicht jedes Bellen, jede Unruhe oder jede schwierige Hundebegegnung lässt sich mit mehr Schlaf und Ruhe lösen.
Stress und fehlende Erholung können eine wichtige Rolle spielen. Ebenso können Unsicherheit, Angst, Frustration, Lernerfahrungen, Umweltbedingungen oder gesundheitliche Faktoren beteiligt sein.
Auch ein Hund, der ausreichend schläft, kann ein Problem mit Hundebegegnungen haben. Ein Hund kann Besucher anbellen, obwohl sein Ruhebedürfnis hervorragend erfüllt ist. Und Schwierigkeiten beim Alleinebleiben verschwinden nicht automatisch dadurch, dass ein Hund tagsüber mehr schläft.
Wenn Sie schon länger an bestimmten Verhaltensweisen trainieren und trotzdem nicht weiterkommen, kann es deshalb sinnvoll sein, nicht nur das sichtbare Problem, sondern den gesamten Alltag des Hundes zu betrachten.
Bellen, Pöbeln oder schlechte Ansprechbarkeit sagen zunächst noch nicht, warum ein Hund sich so verhält. Deshalb lohnt sich neben dem eigentlichen Training auch ein Blick auf seinen Alltag: Bekommt er ausreichend ungestörte Ruhe? Wie viele Reize verarbeitet er täglich? Kann er nach aufregenden Situationen wieder abschalten?
Mehr Ruhe löst nicht automatisch jedes Verhaltensproblem. Aber bei einem Hund, dem Erholung fehlt, kann sie eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, dass Training besser greifen kann.
Denn Lernen findet nicht nur während des Trainings statt. Auch die Zeit danach gehört dazu.
Wenn Sie bei Ihrem Hund nicht sicher sind, welche Rolle Stress, Erholung oder andere Faktoren bei seinem Verhalten spielen, kann ein individueller Blick auf Alltag und Verhalten helfen. Im Einzeltraining schauen wir gemeinsam darauf, was hinter dem Verhalten Ihres Hundes steckt und welche Veränderungen für Sie und Ihren Hund sinnvoll sind.
Quelle zur Schlafforschung
Kis A., Szakadát S., Gácsi M. et al. (2017): The interrelated effect of sleep and learning in dogs (Canis familiaris); an EEG and behavioural study. Scientific Reports 7, 41873. DOI: 10.1038/srep41873.
Über die Autorin
Anne Poppe ist zertifizierte Hundetrainerin und Inhaberin von Dogs am Rhein in Düsseldorf. Sie verfügt über die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz und arbeitet überwiegend im mobilen Einzeltraining. Ihr Training ist alltagsnah, individuell auf Mensch und Hund abgestimmt und möglichst über positive Verstärkung aufgebaut. Kontakt.