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Welpe zieht an der Leine zu einem anderen Hund

Welpe zieht zu anderen Hunden: So trainieren Sie richtig

Ihr Welpe zieht zu anderen Hunden? Gerade eben war der Spaziergang noch entspannt und plötzlich wirft er sich mit vollem Gewicht in die Leine. Er fiept, er zieht, er will unbedingt hin. Und fast immer kommt von irgendwoher der Satz: „Die wollen doch nur spielen!“ oder „Der will doch nur Hallo sagen.“

Gerade bei Hundebegegnungen lernt ein Welpe schnell, was der Anblick eines anderen Hundes für ihn bedeutet: Darf ich jetzt hin? Passiert gleich etwas Spannendes? Oder kann ich den anderen Hund wahrnehmen und trotzdem mit meinem Menschen weitergehen?

Was beim kleinen Welpen noch harmlos wirkt, kann eine Erwartung aufbauen, die später im Alltag schwierig wird. Denn während Sie heute noch einen niedlichen 5-Kilo-Welpen halten, haben Sie in einem Jahr vielleicht einen 35-Kilo-Hund an der Leine, der unbedingt zu jedem Artgenossen möchte.

Deshalb geht es nicht darum, Hundekontakte grundsätzlich zu verhindern. Ihr Welpe soll andere Hunde kennenlernen und gute Erfahrungen mit ihnen machen. Er sollte aber nicht lernen, dass jeder Hund, den er sieht, automatisch erreichbar ist.

Warum kann das Hinziehen zu anderen Hunden später zum Problem werden?

Welpen lernen aus den Konsequenzen ihres Verhaltens. Sieht Ihr Welpe einen anderen Hund, zieht zu ihm hin und darf anschließend Kontakt aufnehmen, kann sich eine einfache Erwartung entwickeln:

Hund sehen → hinziehen → Kontakt.

Das Hinziehen hat sich gelohnt. Gleichzeitig kündigt der Anblick eines anderen Hundes immer häufiger etwas Spannendes an: Der andere Hund wird zur „Party“.

Solange der eigene Hund klein ist, wird das häufig freundlich aufgenommen. Später sieht der Alltag anders aus. Der Hund wird größer und kräftiger, nicht jeder fremde Hund möchte Kontakt und manchmal müssen Sie schlicht weitergehen.

Für einen Hund, der bisher häufig die Erfahrung gemacht hat, zu anderen Hunden hinzudürfen, kann das frustrierend sein. Ziehen, Fiepen, Bellen oder große Aufregung an der Leine können die Folge sein.

Natürlich ist das nicht die einzige mögliche Ursache für schwierige Hundebegegnungen. Auch Unsicherheit, Angst, Lernerfahrungen und individuelle Faktoren können eine Rolle spielen. Gerade beim Welpen können Sie aber früh dafür sorgen, dass nicht aus jeder Hundesichtung automatisch eine Erwartung auf Kontakt entsteht.

Sind Hundebegegnungen an der Leine grundsätzlich schlecht?

Nein. Aus „mein Welpe muss nicht jeden Hund begrüßen“ sollte keine starre Regel werden, nach der Hundekontakt an der Leine grundsätzlich verboten ist.

Eine kurze oder gespannte Leine kann die Bewegungs- und Ausweichmöglichkeiten eines Hundes einschränken und eine Begegnung erschweren. Zwei Hunde, die entspannt sind und beide Kontakt möchten, können sich in einer passenden Situation aber auch an lockerer Leine kurz begrüßen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage „Leine oder keine Leine?“, sondern vor allem: Was soll mein Welpe aus dieser Situation lernen?

Er sollte nicht durch Ziehen, Fiepen oder Hinstürmen darüber entscheiden, dass jetzt Kontakt stattfindet. Hundekontakte werden bewusst ausgewählt und sollten zu beiden Hunden und zur jeweiligen Situation passen.

Gute Sozialisation bedeutet nicht Kontakt mit jedem Hund

Wenn Sie durch eine Fußgängerzone gehen, nehmen Sie andere Menschen wahr, ohne mit jedem Kontakt aufzunehmen. Genau diese Selbstverständlichkeit darf auch ein Welpe lernen.

Natürlich gehören angemessene und positive Erfahrungen mit anderen Hunden zu seiner Entwicklung. Gute Sozialisation bedeutet aber nicht, dass er möglichst viele Hunde begrüßen muss. Dazu gehört auch die Erfahrung: Da ist ein anderer Hund – und trotzdem geht mein Spaziergang ganz normal weiter.

So trainieren Sie Hundebegegnungen mit Ihrem Welpen

1. Stellen Sie frühzeitig Abstand her

Warten Sie nicht, bis Ihr Welpe bereits mit vollem Gewicht in der Leine hängt. Sehen Sie einen anderen Hund, schaffen Sie frühzeitig so viel Abstand, dass Ihr Welpe die Situation noch bewältigen kann. Wechseln Sie die Straßenseite oder laufen Sie einen großzügigen Bogen.

Wie viele Meter dafür notwendig sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Ihr Welpe sollte den anderen Hund wahrnehmen können und trotzdem noch ansprechbar sein, Futter nehmen oder sich wieder von ihm lösen können.

Braucht er dafür zwanzig Meter, sind zwanzig Meter richtig. Schafft er es mit fünf Metern, können fünf Meter ausreichen.

Der Abstand richtet sich nach dem Hund, nicht nach einer Zahl.

2. Nicht jede Hundesichtung führt zum Kontakt

Ihr Welpe darf den anderen Hund sehen. Sie müssen ihn weder hektisch ablenken noch so tun, als wäre der andere Hund gar nicht da.

Aber aus der Sichtung folgt nicht automatisch eine Begrüßung. Manche Hunde trifft man, an anderen geht man vorbei. Genau diese Erfahrung hilft dabei, dass der Anblick eines Artgenossen nicht jedes Mal eine riesige Erwartung auslöst.

Das gilt übrigens nicht nur für den Welpen, der begeistert zu jedem Hund hinmöchte. Ist Ihr Welpe unsicher und möchte lieber Abstand halten, sollte er ebenfalls nicht zu einem Kontakt gedrängt werden. Ein Welpe muss nicht „Hallo sagen“, nur weil ein anderer Hund oder dessen Halter das gerne möchte.

3. Belohnen Sie freiwillige Orientierung

Ihr Welpe schaut zu dem anderen Hund und löst anschließend von sich aus den Blick? Er orientiert sich zu Ihnen oder geht mit Ihnen weiter? Dann bestätigen und belohnen Sie genau dieses Verhalten.

Dafür eignet sich zum Beispiel Futter, sofern Ihr Welpe es in dieser Situation gerne nimmt.

Ihr Welpe soll andere Hunde dabei nicht ausblenden oder permanent zu Ihnen hochschauen. Das Ziel ist alltagstauglicher: Er darf einen Hund wahrnehmen, ohne sich komplett in ihm zu verlieren.

4. Wählen Sie Hundekontakte bewusst aus

Ihr Welpe darf selbstverständlich andere Hunde kennenlernen. Aber nicht jeder fremde Hund ist automatisch ein geeigneter Sozialpartner.

Achten Sie darauf, ob beide Hunde überhaupt Kontakt möchten und ob die Situation genügend Raum bietet. Gerade für einen Welpen sind gute Erfahrungen wichtiger als möglichst viele Erfahrungen.

Wenn Sie einen Kontakt an der Leine zulassen, sollte die Leine möglichst locker bleiben und beiden Hunden Bewegung ermöglichen. Beobachten Sie die Hunde und halten Sie die Begegnung nicht unnötig lange aufrecht. Ein kurzer, entspannter Kontakt darf auch einfach wieder beendet werden.

Vor allem sollte der Kontakt nicht zur Belohnung dafür werden, dass Ihr Welpe sich mit aller Kraft zum anderen Hund zieht.

Was mache ich, wenn mein Welpe schon in der Leine hängt?

Das passiert. Gerade am Anfang wird man nicht jede Begegnung früh genug sehen, und manchmal taucht ein anderer Hund plötzlich um die Ecke auf.

Wenn Ihr Welpe bereits fiept, zieht und sich kaum noch lösen kann, bleiben Sie nicht minutenlang stehen und warten darauf, dass er sich irgendwann wieder zu Ihnen orientiert. Vergrößern Sie die Distanz: Laufen Sie einen Bogen, wechseln Sie die Straßenseite oder drehen Sie notfalls um.

Sobald Ihr Welpe wieder ansprechbarer wird, können Sie seine Orientierung zu Ihnen belohnen.

Das ist kein Scheitern. Wenn Ihr Welpe so aufgeregt ist, dass er kaum noch etwas anderes wahrnimmt, war die Situation für seinen aktuellen Trainingsstand schlicht zu schwierig. Beim nächsten Mal beginnen Sie mit mehr Abstand.

Und wenn ein freilaufender Hund auf Ihren Welpen zukommt?

Leider lassen sich Hundebegegnungen nicht immer planen. Ein freilaufender Hund kann auftauchen, obwohl Sie gerade bewusst Abstand halten möchten.

Versuchen Sie zunächst, Distanz zu schaffen, und bitten Sie den anderen Halter freundlich, aber deutlich, seinen Hund zurückzurufen oder anzuleinen. Sie dürfen sich auch zwischen Ihren Welpen und den anderen Hund stellen und versuchen, den fremden Hund auf Abstand zu halten.

Nicht jeder unerwartete Kontakt lässt sich verhindern. Sie müssen ihn aber auch nicht zulassen, nur weil der andere Hund „nichts tut“ oder „nur Hallo sagen möchte“.

Gerade bei einem unsicheren Welpen ist es wichtig, dass er nicht immer wieder die Erfahrung macht, fremden Hunden ausgeliefert zu sein und keinen Abstand bekommen zu können.

„Der will doch nur Hallo sagen!“

Solche Kommentare werden kommen. Gerade mit einem Welpen ist die Versuchung für andere Hundehalter groß, einen Kontakt herstellen zu wollen.

Ein kurzes „Wir trainieren gerade“ oder „Heute passt es nicht“ reicht völlig aus. Sie müssen sich nicht rechtfertigen.

Auch wenn der entgegenkommende Hund angeblich „nichts tut“ oder „nur spielen möchte“, dürfen Sie entscheiden, dass heute kein Kontakt stattfindet. Sie entscheiden damit nicht gegen den anderen Hundehalter, sondern für Ihren eigenen Hund und für das, was er in dieser Situation lernen soll.

Fazit: Nicht jeder Hund muss erreichbar sein

Hundebegegnungen gehören zum Alltag eines Welpen. Er soll gute Erfahrungen mit passenden Artgenossen machen – und gleichzeitig lernen, dass nicht jeder Hund, den er sieht, automatisch für ihn bestimmt ist.

Dafür braucht es kein pauschales Kontaktverbot und keine starre Regel, dass Hunde sich an der Leine niemals begrüßen dürfen. Viel wichtiger sind bewusst ausgewählte Kontakte, ausreichend Abstand und viele alltägliche Begegnungen, in denen Ihr Welpe erlebt, dass er einen anderen Hund sehen und trotzdem entspannt weitergehen kann.

Wenn Sie merken, dass Ihr Welpe bereits stark zu anderen Hunden zieht, Begegnungen zunehmend aufregend werden oder Sie unsicher sind, wie viel Abstand Ihr Hund braucht, können wir genau daran arbeiten.

Im Welpentraining üben wir Hundebegegnungen dort, wo sie tatsächlich passieren: auf Ihrer Hunderunde und in Ihrem Alltag in Düsseldorf.

Hier finden Sie weitere Informationen zu meinem Welpentraining in Düsseldorf.

Über die Autorin
Anne Poppe ist zertifizierte Hundetrainerin und Inhaberin von Dogs am Rhein in Düsseldorf. Sie verfügt über die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz und arbeitet überwiegend im mobilen Einzeltraining. Ihr Training ist alltagsnah, individuell auf Mensch und Hund abgestimmt und möglichst über positive Verstärkung aufgebaut.

Zertifikat Pfoten Academy: Anne Poppe, Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin
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