
Viele Hundebesitzer kennen das Problem: Kaum ist die Leine angelegt, wird der Spaziergang zur Herausforderung. Der Hund zieht, zerrt oder wechselt ständig die Richtung und aus einem entspannten Spaziergang wird ein täglicher Kraftakt.
Viele Menschen reagieren darauf mit stärkeren Hilfsmitteln, mehr Druck oder ständigen Korrekturen – und trotzdem verändert sich wenig.
Leinenführigkeit ist kein Trick, den Ihr Hund „einfach so“ können muss. Sie entsteht in kleinen Schritten, im Alltag und mit klaren Regeln, die Ihr Hund verstehen kann.
In diesem Artikel bekommen Sie einen strukturierten Einstieg in ein freundliches, nachhaltiges Training der Leinenführigkeit, passend zu Ihrem Alltag.
In diesem Artikel lesen Sie:
Die kurze Antwort lautet: Er zieht, weil er es kann und weil wir Menschen oft unklar oder widersprüchlich kommunizieren.
Für Hunde ist es vollkommen unnatürlich, an einer Leine zu laufen. Sie wollen schnüffeln, entdecken, sich frei bewegen. Leinen, Halsbänder und Geschirre sind menschliche Erfindungen, für den Hund sind sie zunächst fremd.
Auch physikalisch spielt etwas Entscheidendes mit hinein: der Oppositionsreflex. Dies ist ein angeborener, unwillkürlicher Schutzmechanismus. Zieht Ihr Hund an der Leine, spannen Sie unwillkürlich dagegen. Diese Spannung löst beim Hund reflexartig den Impuls aus, noch stärker zu ziehen. Dieser Reflex ist kein Ungehorsam, sondern eine körperliche Reaktion.
Leinenführigkeit bedeutet mehr, als nur „nicht ziehen“. Es geht darum, dass Ihr Hund sich auf Sie konzentriert, gedanklich bei Ihnen ist und sich an lockerer Leine an Ihnen orientiert – ganz ohne ständigen Korrekturbedarf.
Bevor Sie mit dem Training starten, überlegen Sie: Was ist in Ihrem Alltag wirklich wichtig?
Leben Sie in der Stadt? Es ist eng, sie müssen den Verkehr und andere Menschen im Blick behalten? Dann kann es sinnvoll sein, Ihrem Hund beizubringen, auf Kniehöhe rechts oder links neben Ihnen zu laufen.
Gehen Sie meist in der Natur spazieren? Dann darf Ihr Hund sich vielleicht in einem kleinen Radius um Sie herum bewegen, Hauptsache, die Leine bleibt locker.
Wichtig ist, dass Sie eine klare Vorstellung davon haben, was Sie sich wünschen. Nur dann können Sie Ihrem Hund vermitteln, welches Verhalten Sie erwarten.
Im Training der Leinenführigkeit geht es nicht darum, Ihren Hund über Schmerzen oder Druck zu kontrollieren. Ein gut sitzendes Geschirr, das Schultern und Halsbereich frei lässt, entlastet empfindliche Strukturen und sorgt dafür, dass Ihr Hund sich sicher bewegen kann.
Achten Sie bei der Auswahl eines Geschirrs darauf, dass:
Ob Sie mit Halsband oder Geschirr trainieren, hängt von Ihrem Hund und seiner Gesundheit ab. Wichtiger als das Material ist, dass Sie fair, wiederholbar und verständlich trainieren.
Beginnen Sie in einer reizarmen Umgebung, zum Beispiel im Wohnzimmer oder im eigenen Garten. Sobald Ihr Hund dort zuverlässig mitmacht, steigern Sie die Anforderungen Schritt für Schritt – je nach Umgebung, Ablenkung und Tagesform.
Fragen Sie sich: Welche Orte sind eher ruhig und erleichtern die Konzentration?
Welche Situationen sind besonders aufregend und sollten anfangs vermieden werden?
Machen Sie sich gern eine Liste, von Orten und Situationen und sortieren Sie diese von reizarm zu reizvoll. An dieser Liste können Sie sich gut orientieren. So bringen Sie Struktur in Ihr Training und behalten den Überblick über die Fortschritte.
Mit Geduld, Konsequenz und positiver Verstärkung wird Ihr Hund lernen, sich in jeder Situation an Ihnen zu orientieren.
Damit Leinenführigkeit zuverlässig funktioniert, hilft eine klare Unterscheidung zwischen zwei „Betriebsarten“, Alltag und Training. Ihr Hund geht normalerweise am Brustgeschirr und der Karabiner ist am Rücken eingehakt. Dann ist das sein Alltag. Der Trainingsmodus kann dann sein: der Karabiner wird für das Training vorne am Brustring eingehakt oder man nutzt ein Halsband für die Übungen. Dieses Bespiel nutze ich für die folgende Erklärung.
Im Beispiel am Halsband oder am vorderen Brustring des Geschirrs. In diesem Modus gilt:
Hier ist Ihr Fokus hoch – aber nur für kurze Phasen. Dieser Modus eignet sich perfekt für alle bewussten Übungseinheiten.
Im Beispiel am Geschirr, der Karabiner ist am Rücken angebracht.
In diesem Modus gilt:
Dieser Modus entlastet Sie und sorgt dafür, dass Ihr Hund nicht die ganze Zeit „funktionieren“ muss.
Ziel:
Ihr Hund lernt, beim Losgehen ruhig an Ihrer Seite zu bleiben – ohne zu ziehen.
So geht’s:
Wichtiges Lernmuster:
Lockere Leine = wir gehen weiter
Spannung = wir bleiben stehen
Diese Mini-Übung ist sehr wirkungsvoll, weil sie Ihrem Hund ein klares, einfaches System vermittelt, das er später draußen gut übertragen kann.
Nun geht es darum, das Gelernte draußen zu üben – dort, wo Gerüche, Reize und Ablenkungen echte Herausforderungen darstellen. Das, was drinnen gut klappt, soll jetzt im echten Leben funktionieren. Draußen wird es schwieriger, weil, sich alles ständig verändert, Leinelaufen lange dauert, sich Ihr Hund weiterentwickelt (Pubertät & Testphasen sind ganz normal). Damit weder Sie noch Ihr Hund unter Stress geraten, nutzen Sie draußen bewusst die beiden Modi.
Dieses Wechselspiel aus kurzem Training und entspanntem Spazieren macht es möglich, draußen erfolgreich zu üben – ohne Druck, ohne Frust, ohne Überforderung.
Ein Hund, der aufmerksam ist und sich an seiner Bezugsperson orientiert, zieht deutlich seltener. Fördern Sie diese Verbindung bewusst: Belohnen Sie freiwilligen Blickkontakt, nutzen Sie ein Markerwort oder einen Clicker, um gewünschtes Verhalten direkt zu bestätigen.
Übungen zur Aufmerksamkeit können sein:
Hunde und Menschen haben unterschiedliche Intentionen beim Spaziergang. Wir Menschen machen einen Spaziergang, um uns zu bewegen, zu erholen oder von A nach B zu gelangen. Hunde erkunden ihr Revier. Sie wollen schnüffeln, Ausschau nach spannenden Bewegungen, ungewohnten Geräuschen oder einfach den neuesten Gerüchen im Revier halten. Ein guter Spaziergang muss beide Interessen vereinen, indem er Struktur und Abwechslung verbindet. Unterteilen Sie ihn gezielt in kleine Phasen: Schnüffelzeit, Ruhepausen, Suchspiele, gemeinsames Laufen oder das Üben von Signalen. Auch Freilauf, Sozialkontakte und spielerische Interaktion sorgen für geistige und körperliche Auslastung.
Junge Hunde haben oft deutlich mehr Bewegungsdrang und brauchen viele Wiederholungen, bis Leinenführigkeit im Alltag zuverlässig funktioniert. Ältere Hunde bringen manchmal eine lange „Zieh-Geschichte“ mit. Die gute Nachricht ist: Hunde lernen ihr Leben lang.
Gerade bei Welpen lohnt es sich, Leinenführigkeit früh spielerisch anzulegen und Überforderung zu vermeiden. Typische Fehler in der Welpenerziehung, die spätere Probleme an der Leine begünstigen, lassen sich so von Anfang an vermeiden.
Erwarten Sie keine schnellen Wunder. Leinenführigkeit ist ein Prozess – manchmal mit Rückschritten, oft mit kleinen Fortschritten. Wichtig ist, dran zu bleiben, freundlich und konsequent zu bleiben und vor allem: Ihrem Hund Zeit zu geben, das Gelernte zu verinnerlichen.
Leinenführigkeit ist kein Hexenwerk. Sie erfordert Geduld, eine klare Haltung und ein echtes Miteinander. Wenn Sie verstehen, warum Ihr Hund zieht, klare Signale senden und das Training mit Freude gestalten, wird aus dem Ziehen bald ein entspanntes Laufen an Ihrer Seite.
Wenn Sie sich Unterstützung bei der Leinenführigkeit wünschen, begleite ich Sie und Ihren Hund gerne im Einzeltraining oder in passenden Kursen – alltagsnah, freundlich und klar strukturiert.
Hier finden Sie mehr Informationen zu meinem Training zur Leinenführigkeit in Düsseldorf auf „Dogs am Rhein“ www.dogsamrhein.de.
Ausbildung zum Hundetrainer, Sachkundelehrgang nach § 11 Abs. 1 Nr. 8f. Tierschutzgesetz mit amtsärztlicher Prüfung durch Dr. Gero Leiner (Ziemer & Falke - Schulungszentrum für Hundetrainer GmbH & Co. KG)
Sachkundelehrgang Hundehaltung in Einrichtungen, zum Handel und zur Züchtung von Hunden mit amtstierärztlicher Prüfung nach §11 Absatz 1, Nr. 3, 5, 8a TierSchutzgesetz, Kölner Hundeakademie (Susanne Ronneberg, Dr. Egbert Lechtenböhmer, Eva-Maria Senicar)
Ausbildung Mantrailing Trainer: Pfoten Academy Bad Füssing
Erste Hilfe am Hund, Arbeiter Samariter Bund, Oberhausen
DogsPeak Gipfeltreffen für Hundetrainer 2025, Hundeschulkonzepte Münster
Schulterblick Problemhundetraining: Problemhundetraining Sonee Dosoruth